Klangvokal 2018 – Weltpremiere im Orchesterzentrum

Am 01. Juni 2018 stand eine öffentliche Weltpremiere auf dem Programm: Claudio Monteverdis „L‘Arianna“. Jetzt werden Sie sich fragen: Die Oper wurde doch schon 1608 uraufgeführt. Ja, aber wesentliche Teile waren verschollen, wie es leider mit vielen Opern von Monteverdi ergangen ist. Claudio Cavani, der Leiter der Gruppe „La Venexiana“ hat die fehlenden Teile rekonstruiert. So erklang zum ersten Mal seit 400 Jahren die vollständige Oper erneut.

Ein erlebnisreicher Ausflug in die Frühzeit der Oper durch das Ensemble La Venexiana. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Ein erlebnisreicher Ausflug in die Frühzeit der Oper durch das Ensemble La Venexiana. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Die Geschichte stammt wie Monteverdies erste Oper „L‘Orfeo“ aus der griechischen Mythologie. Theseus hat auf Kreta erfolgreich den Minotaurus besiegt und erhält die Königstochter Ariadne als Frau. Auf seinem Weg zurück nach Athen machen sie einen Zwischenstopp auf Naxos. Nach den Einflüsterungen seines Beraters lässt Theseus die schöne Ariadne zurück, worauf jene sehr verzweifelt ist und sich umbringen will. Als Retter in der Not erscheint der Gott Bacchus, der sich der armen Ariadne als Ehemann annimmt.

Das Stück selbst führt uns in die Anfänge der Oper. Bei „L‘Arianna“ gibt es keine Arien wie wir sie von Mozart oder Verdi kennen, es ist rezitativ aufgebaut. Die elf Sängerinnen und Sänger übernehmen nicht nur die einzelnen Figuren, sondern schließen sich auch zum Chor zusammen. Dabei überzeugt vor allem Raffaella Milanesi als Ariadne, besonders in ihre berührende Klage in der siebten Szene. Auch Riccardo Pisani (Theseus) zeigt sein Können, als er den griechischen Held zunächst als Verliebten präsentiert, später dann als Zweifler und Zögerer, angestachelt durch seinen hinterlistigen Berater (Luca Dordolo).

Die Musiker von „La Venexiana“ unter der Leitung von Davide Pozzi am Orgelpositiv und Cembalo präsentierten sich spielfreudig und versetzten die Besucher musikalisch in die Zeit des frühen 17. Jahrhunderts.

Monteverdis Musik steht zwischen Renaissance und Barock. Bei „L‘Arianna“zeigt er, was den Erfolg von Opern ausmacht: mit musikalischen Mitteln die unterschiedlichen Emotionen auszudrücken. Bei seiner zweiten Oper ist ihm das vorzüglich gelungen.

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