Grappa im rosa Milieu

Es ist kaum zu glauben. Die Dortmunder Fernsehredakteurin und Schriftstellerin Gabriella Wollenhaupt hat jetzt mit „Grappa sieht rosa“ schon ihren 24. Kriminalroman mit der engagierten, taffen Bierstädter Polizeireporterin Maria Grappa im Grafit Verlag herausgebracht. Ist das alleine nicht schon beachtlich genug, geht ihr dabei das Interesse an brisanten Themen, nahe am Puls unserer Zeit, nicht abhanden.

Diesmal bewegt sich die Protagonistin im Dunstkreis von Homophobie und bekommt, wie die Leser/innen, tiefe Einblicke in die Homosexuellen Szene von Bierstadt (Dortmund) samt seinem Umfeld. Geschickt gelingt Wollenhaupt dabei wieder einmal ein Brückenschlag zum aktuellen Zeitgeschehen in jüngster Gegenwart.

Grappas 24. Fall spielt im Bierstädter Schwulenmillieu. (Cover © grafit-Verlag)
Grappas 24. Fall spielt im Bierstädter Schwulenmillieu. (Cover © grafit-Verlag)

Worum geht es im Krimi? In Bierstadt, dass sich immer tolerant und weltoffen gibt, steht eine besondere Hochzeit an. Der Agrarminister im homophoben Russland Putins muss nach seinem „Outing“ als Homosexueller aus seinem Land fliehen. Als Fluchtziel bietet sich für ihn Bierstadt an, wo er seinen Freund, einem Tierpfleger im Dortmunder Zoo, heiraten möchte

Mitten in die Vorbereitungen auf dieses große Ereignis kommt die schockierende Nachricht von der brutalen Ermordung des berüchtigten Skandalreporter Felix Mohr, der durch homophobe, frauenfeindliche und gegen soziale Randgruppen hetzende Artikel auffiel. Er wusste anscheinend auch von einem geplanten Anschlag auf die Homo-Hochzeit. Als sich herausstellt, das Mohr selbst schwul war, führen Maria Grappa ihre Nachforschungen in eine ihr bisher unbekannte Welt. Dort erfährt sie Dinge, die sie nicht für möglich gehalten hätte….

Die Grappa-Krimis sind ja für viele, vor allem hier in Dortmund und Umgebung, inzwischen schon Kult. Die Autorin enttäuscht ihre Fans nicht, und lässt alle bekannten Figuren, wie unter anderem etwa den ihr zur Seite stehenden Fotografen Wayne Pöppelbaum oder die einfühlsame Bistro-Chefin Frau Schmitz auftreten.

Ihr Lebensabschnittsgefährte Hauptkommissar Friedemann Kleist kommt wieder einmal von Düsseldorf, wo er ein beim Aufbau eines (Terror)-Abwehrzentrums mithilft, zu seiner Liebsten nach Bierstadt vorbei.

Wollenhaupt behandelt nicht nur aktuelle Themen in ihren Krimis, sondern bringt passend dazu auch bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unserer Stadt in ihren Romanen unter. So kam etwa bei „Grappa im Netz“ ein allseits bekannter ehemaliger Oberbürgermeister vor.

Bei „Grappa sieht rosa“ spielt nun ein bekannter Kammersänger an der Dortmund Oper eine Rolle. Trotz der Namensänderung im Roman wird es einem kulturell einigermaßen interessierten Leser wohl schwer fallen, nicht zu erkennen, um wen es sich dabei handelt.

Humor und ironische Witz und Selbstironie sind auch im neuesten Grappa-Krimi wieder ein fester Bestandteil. Aber mit den Jahren wird Maria Grappa ein wenig nachdenklicher. Die Sinnfrage des Lebens gewinnt mit zunehmenden Lebensalter an Bedeutung. Am Ende offenbart sich dann der traurige Hintergrund dieser Geschichte. Es geht um mehr als sexuelle Identitätsfindung oder Homophobie – letztendlich um Vertrauen und Vertrauensmissbrauch.

Der Krimi ist nicht nur spannend und kurzweilig zu lesen, sondern der Autorin ist eine gut Balance zwischen Humor und nachdenklichem Ernst gelungen.Die Grappa-Fan würden sich sicher auf noch weitere Fortsetzung der Reihe freuen.

Das Taschenbuch umfasst 191 Seiten, ist im grafit-Verlag unter der ISBN: 978-3-89425-436-0 erschienen und für 9,99 Euro im Buchhandel (auch als E-Book) erhältlich.

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