Futuristische Siedlungssysteme als Anti-Utopien

Dieses Jahr dreht sich im Dortmunder Kunstverein, Hansastr. 2-4 alles um „Systeme und Strukturen“. In Zeiten von NSA-Überwachung, Banken-und Finanzkrise und anderem ist dieses Thema brandaktuell. Einleitend mit dem Konzept der „Utopie“ zeigt der Kunstverein vom 07.02. 2014 bis zum 29.03.2014 transparente sowie bewegte Installationen, Skulpturen und geschichtete Zeichnungen der Berliner Künstlerin Friederike Klotz in seinen Räumlichkeiten.

 

Klotz entwirft zwischen Ideal und Alptraum unter dem Titel „Bedeckter Himmel“ ein futuristisches Siedlungssystem als eine Art Anti-Utopie. Die Künstlerin zeigt uns eine transparente Miniatur-Welt, wo das Individuum unter völliger Preisgabe alles Privaten von dem Öffentlichen dominiert und kontrolliert wird. Der Einzelne wird zum Teil eines Kollektivs, die Stadt wird zur einer zwar effizienten ökonomischen Einheit aber auch zu einem Ort, dem niemand entrinnen kann.

 

Sie setzt für die Umsetzung ihrer Ideen die unterschiedlichsten Medien ein. Mit Pappkästen, durchsichtigen Kunstharzquadern, mit Fresnel-Linsen gespiegelten und geschichteten Zeichnungen oder bewegten Installationen.

 

Im ersten Bereich der Ausstellung sind zum Beispiel zwei große Trommel-Objekte zu sehen. Aus recycelten Verpackungsmaterial erschafft Klotz Stadtmodule mit winzigen Miniatur-Figuren aus PVC, deren Fundamente auf einer Membran ruhen. Darunter befindet sich ein Lautsprecher, über den in verlangsamter Geschwindigkeit verfremdete Nationalhymnen überspielt werden. Nur durch die Schwingungen der Membran geraten die kleinen Figuren in der Stadt in Bewegung. Getrieben und manipuliert vom Klang innerhalb des Resonanzkörpers irren sie inmitten der Gebäude umher. Alle Wände sind transparent und so lebt man hier in völliger Auflösung des Privaten. Obwohl die kleinen Figuren bei näherem hinsehen durchaus Unterschiede aufweisen, entsteht der Eindruck eines end- individualisierten, funktionierendem Kollektivs. Aus der Geschichte wohl bekannte totalitäre Herrschaftssysteme und Orwells „Big Brother is watching you“ lassen grüßen.

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Im zweiten Bereich sind dreidimensionale Werke wie „Der Turm“ oder „Die Säule“. Hier orientiert sich Klotz an die Dystopie „Simulacron 3“ von Daniel F. Galouye. Der Betrachter schaut von oben oder von der Seite auf eine sich drehende „Welt“ als eine Art „höheres Wesen“.

 

Für ihre Stadtbilder nahm sich Klotz zum teil reale Vorbilder, so ist die Skyline von Shanghai in einem ihrer Werke vertreten, der Rest ist auch fiktiv. „ Bei meinen Arbeiten gibt es eine Überschichtung von Realem und Fiktiven“, erläuterte die Künstlerin. Eine Ausstellung, die zum längeren Innehalten und Nachdenken anregt.

 

Ausstellungseröffnung ist am Freitag, den 7.02.2014 um 19:00 Uhr mit der Begrüßung durch Marion Edelhoff,Vorstandsvorsitzende des Dortmunder Kunstvereins, und einer Einführung durch die künstlerische Leiterin Sandra Dichtl.

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