Die letzten Tage von Dortmund

Dortmudn in Trümmern. Erich Griesars Roman "Caesar 9" spielt in den letzten Jahren des Dritten Reiches und in der Nachkriegszeit. (Foto: © Aisthesis Verlag)
Dortmund in Trümmern. Erich Grisars Roman „Caesar 9“ spielt in den letzten Jahren des Dritten Reiches und in der Nachkriegszeit. (Foto: © Aisthesis Verlag)

Der Roman „Caesar 9“ von Erich Grisar ist ein eindrucksvolles Dokument Dortmunder Geschichte in den letzten Kriegstagen und den Anfängen des Wiederaufbaus nach der Befreiung durch die Amerikaner. Grisar, der 1955 starb, hatte den Roman bereits 1948 beendet und noch in den 50er Jahren bearbeitet, aber danach ist seine Person und sein Werk größtenteils in Vergessenheit geraten. In den vergangenen Jahren kann man von einer kleinen Grisar-Renaissance sprechen, die auch mit der Entdeckung seiner Fotografien aus den 20er Jahren von Dortmund und der Umgebung zu tun hat.

Die Hauptfigur in „Caesar 9“ ist Martin, ein Arbeiter, der mit seiner Mutter in einem Haus lebt und eine Beziehung zu einer verheirateten Frau (Lucy) hat, deren Mann verschwunden ist. Doch die Beziehungsgeschichten ist nicht das, was das Buch ausmacht, sondern die Schilderungen der schweren Bombenangriffe auf Dortmund, die Reaktion der Bevölkerung, der Nazis und die anschließende Befreiung mit dem Versuch der Rückkehr zur Normalität.

Wer schon einmal Bilder der Zerstörung von Dortmund sich angesehen hat, kann die sich kaum vorstellen, wie die Menschen in den Trümmern überlebt haben sollen. Es gab acht Großangriffe auf Dortmund, der schwerste kurz vor Kriegsende am 12. März 1945. Das Kapitel „Der große Angriff“ beschreibt eindringlich, wie es ist, im Bunker zu sein. Eingeschlossen mit hunderten Leuten, immer mit der Angst, das die meterdicke Betondecke doch einmal nachgab. Die Sorge um die Angehörigen, die es vielleicht nicht in einen Bunker geschafft haben. Es ist bedrückend, selbst für mich, der noch keinen Bombenkrieg erlebt hat, den Beschreibungen Grisars zu folgen. Der Titel des Buches, „Caesar 9“, hat mit den Bombenangriffen zu tun, denn bei den Alliierten lag Dortmund im Planquadrat „Caesar 9“.

Sehr lehrreich ist für die heutige Generation, wie Leben im zerstörten Dortmund organisiert wurde. Weinvorräte wurden geplündert, Hydranten und Teiche zur Feuerbekämpfung genutzt, langsam löste sich die Ordnung in den letzten Kriegstagen auf. Das die Nazis aber weiterhin präsent und gefährlich waren, erzählt Grisar im Kapitel „Rot rinnt es durch die Gassen“. Hier thematisiert der Autor die Morde im Rombergpark.

Die Friedenszeit beginnt nicht mit Zuckerschlecken für die Dortmunder. Das muss auch die Hauptfigur Martin erfahren. Und tatsächlich scheinen sich die alten Nazis wieder auf die Seite der Gewinner zu schlagen. Tarnek, der Blockwart, wird nicht zur Verantwortung gezogen, im Gegenteil: „Auch mit Tarnek ging es wieder nach oben. Es war ihm wohl bestimmt , immer auf der Seite derer zu stehen, mit denen der Wind des Schicksals es gut meinte.“ (Seite 296).

Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche Dokumente und einem umfangreichen Nachwort von Arnold Maxwill.

Das Buch ist ein Muss für alle, die sich für die Geschichte Dortmunds gegen Ende des Zweiten Weltkrieges interessieren. Hier wird Geschichte in Romanform personalisiert. Der Schrecken des Bombenkrieges und die Folgen für die Bevölkerung wird plastisch erzählt.

Erich Grisar, Cäsar 9,

362 Seiten, Aisthesis

ISBN: 3849811263

 

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