Die große Sehnsucht nach „Nimmerland“

Viele Träume sind mit der Geschichte von Peter Pan verbunden. Nicht von ungefähr haben sich die dreizehn Beteiligten des neuen integrativen Theaterprojekt (vorwiegend geflüchteten Jugendlichen und jungen Erwachsenen) unter der Regie von Christina Keilmann und Marc Ossau diese Story als Grundlage ausgewählt. Es hat schließlich sehr viel mit ihren Wunschgedanken vor ihrer langen Flucht nach Deutschland zu tun.

Die Uraufführung von „Im Herzen Peter Pan“ fand am Sonntag, den 04.03.2018 im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater statt. Die weiblichen Protagonisten wurden mit zwei nicht geflüchteten Personen (Julia Kubensky und Mareike Stötzel) besetzt. Außerdem spielten noch zwei „heimische“ Kinder mit, die auch schon bei den beiden vorherigen Projekten engagiert dabei waren. Die neun anderen Rollen wurden von geflüchteten jungen Männern aus verschiedenen Krisengebieten eindrucksvoll und mit Herz ausgefüllt.

Die „Lost Boys“ und Wendy träumen von einem Land ohne Krieg und Gewalt, Freiheit und ohne Langeweile. So steht es auch in einem Buch der „Reality Boys“ über Peter Pan und sein Paradies.

Als nachdem sie sich schlafen legen, ist er tatsächlich da. Peter Pan führt sie nach „Nimmerland“, wo die Reality Boys“ unter der Führung der intrigante Tinker Bell sie erstaunt empfangen. Auf dem ersten Blick ist alles vollkommen. Ein liebevoller Umgang und die Möglichkeit der freien Entfaltung scheinen hier ein glückliches Leben zu garantieren. Doch Eifersucht, Neid und Missgunst drohen die friedliche Fassade zu zerstören….

Mit einfachen und fantasievollen Mittel gelang es der Gruppe, eine sensible und eindringliche Parabel über Wunschträume, Toleranz und ein friedliches Miteinander. Dem Publikum zwei Alternativen für die Entwicklung am Ende des Stückes angeboten. Wie schon bei den letzten Projekte wurde mit bedacht Musik im Hintergrund und ein live gesungener Song eingebaut.

Im Herzen Peter Pan ist ein Integratives Projekt mit Jugendlichen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Im Herzen Peter Pan ist ein Integratives Projekt mit Jugendlichen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Großartiges hat auch Marc Ossau mit seinem schwierigen Körper- und Sprachtraining bei der Projektgruppe geleistet. Eine gute Choreografie und schon erstaunliche Ausdrucksfähigkeit bei den geflüchteten jungen Menschen waren das Ergebnis.

Die Farbe Rot steht sowohl für Liebe wie für Hass, Blut und Gewalt. Das wurde bildhaft mit zwei roten Bällen dargestellt.

Es war eine trotz aller Melancholie mit Humor gespickte Vorstellung. Eins wird klar. Für ein friedliches Zusammenleben von „Einheimischen“ und „Fremden“, die wegen verschiedenster Bedrohungen ihrer Existenz zu uns geflüchtet sind, müssen alle Seiten etwas tun. Alle Menschen haben ihren berechtigten Wunsch nach einem friedlichen, nicht von Gewalt jeder Art oder vom Klimawandel bedrohten Leben. In Zukunft werden die Migrations-Bewegung in der ganzen Welt wohl weiter zunehmen. Einfache Lösungen wird es nicht geben, auch wenn uns das rechte „Populisten“ weiß machen wollen. Dabei heißt: Wachsam bleiben und sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen und sich für bestimmte Machtinteressen instrumentalisieren zu lassen.

Weitere Vorstellungen: Freitag, den 09.03.2018 und Samstag, den 10.03.2018 jeweils um 20:00 Uhr im KJT Dortmund, Sckellstraße 5-7.

Karten & Info: 0231/50 27 222 oder mobil buchbar unter: awendelstigh@theaterdo.de

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