Die dunkle Seite der Macht

Zwischen Treue und Verrat: Mccbeth in der Inszenierung des Seniorentanztheaters. (Foto: © Susanne Diesner)
Zwischen Treue und Verrat: Mccbeth in der Inszenierung des Seniorentanztheaters. (Foto: © Susanne Diesner)

Am 16. Mai 2014 war das Seniorentanztheater (Ballett Dortmund) mit ihrer Uraufführung von „Macbeth – eine Versuchung“ wieder einmal Gast im Schauspielhaus Dortmund.

Die 18 Tänzerinnen und 5 Tänzer transformieren unter der choreographischen Leitung von Marcus Grolle auf Grundlage von William Shakespeares „Macbeth“ (1606) mit einer Verbindung von Tanz, Text und Action die dunkle Seite von Macht und Ehrgeiz in unsere heutige Zeit. Dabei geht es auch um die dunkle Seite in uns.

Die Tragödie „Macbeth“ beschreibt den Aufstieg des königlichen Heerführers Macbeth zum König von Schottland , seinen Wandel zum Tyrannen und seinen Fall. Er hat einerseits einen Hang zu „Treue und „Ehrenhaftigkeit“, andererseits auch einen schon fast neurotischen Ehrgeiz und eine wahnhafte Fantasie.

Die Inszenierung weist das Publikum ziemlich schnell auf einen anderen Despoten der jüngeren Vergangenheit hin. Wenn die Darsteller/innen vom Seniorentanztheater „Heil Macbeth“ rufen

ist klar, dass sie auf die Zeit des zweiten Weltkrieges und auf Hitler Bezug nehmen.

Kommen wir aber zunächst zum Bühnenbild und die Kostüme. Zur Bühnenausstattung von Marcus Grolle gehörten vier weiße Tische. Auf der rechten Seite stand ein Glaskelch mit roter Flüssigkeit. Darauf war eine Krone platziert. Die Tische wurden im Laufe der Aufführung geschickt von den Akteuren multifunktional verwendet. Die rote Flüssigkeit wurde symbolhaft für Blut und Blutvergießen während der Inszenierung in das Gesicht der Schuldigen verteilt.

Die Darsteller/innen waren alle in schwarz, aber individuell gekleidet. In der Funktion von Macbeth oder seiner ebenfalls sehr ehrgeizigen Frau „Lady“-Macbeth wurden durch schwarze T-Shirts mit dem entsprechenden Namen gekennzeichnet. Beeindruckend wurden lange Holzstäbe von den Tänzerinnen und Tänzern als Symbol für Gewaltherrschaft und Widerstand eingesetzt.

Die Musik von Maryanne Amacher bis hin zu den Einstürzenden Neubauten war vielfältig und der jeweiligen Situation angemessen gut ausgewählt. Mal psychedelisch, bedrohlich oder dazwischen Swing und heitere irische Folk-Musik. Ein besondere Idee war sicherlich, als alle Darsteller/innen mit einem Glas in der Hand noch begeistert vom „König“ zu den irischen Klängen tanzten. Die Bedrohung und der Stimmungswechsel wurde von einem Tänzer mit weißer „gespenstischer“ Maske eingeleitet.

Die Aufführung beginnt mit dem Einzug der Tänzer in kleinen Gruppen mit ganz persönlichem Leiden und Jammern. Die anfängliche „Heilerwartung“ durch den neuen König schlägt in Desillusionierung und Ablehnung im Verlauf der Aufführung um.

Am Ende berichtet einer der Darsteller von dem ganz persönlichen Erleben einer Familie nach der Befreiung durch die Amerikaner. Alle Mitwirkenden bliesen währenddessen Seifenblasen in den Raum. Das kann als Freunde interpretiert werden, aber es symbolisiert auch die Fragilität des „Friedens“. Das Böse und Dunkle geht zu uns als Teil der Gesellschaft.

Ein großes Kompliment für die Inszenierung und die beeindruckende Leistung des Seniorentanztheaters. Sie zeigten auch als Senioren ein hohes Maß an Beweglichkeit auch bei modernen Tanzchoreographien und schauspielerisches Talent.

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