Carmen im Zirkus

Carmen ist und bleibt eine faszinierende Persönlichkeit. Ihre tragische Liebesgeschichte inspirierte im vergangenen Jahr das Kinder- und Jugendtheater mit „Carmen: Außer Kontrolle“, zum Festival „Djelem Djelem“ zeigten die Kulturbrigaden am 04. September 2015 das Jugendmusiktheaterstück „Circus Carmen“ im Theater im Depot.

Im Original schließt sich Carmen einer Schmugglerbande an, in „Circus Carmen“ hingegen wird sie (kindgerechter) Zirkusartistin. Ansonsten bleibt die Geschichte fast gleich. Carmen bandelt mit Don José an, der sich sich unsterblich in Carmen verliebt, seine Verlobte Micaela und sein Leben als Soldat aufgibt, um ebenfalls mit dem Zirkus umher zu ziehen.

Doch Carmen lernt den Matador Don Camillo kennen und verliebt sich in ihn. Nachdem er erkannt hat, dass er Carmen nicht mehr zurückbekommt, ermordet Don José Carmen.

Eigentlich ist Carmen eine tragische Geschichte, die mit einer „Beziehungstat“ (so heißt das wohl juristisch) endet. Radojcic und Wachholz haben sich dennoch alle Mühe gegeben, den Stoff spannend und kindgerecht aufzubereiten. Die bunte Zirkusatmosphäre half natürlich dabei. Auch Slapstickeinlagen wie ein simulierter Faustkampf unter der Musik von „Kung Fu Fighting“ brachten das Theater im Depot zum Beben. Carmen wird durchaus als selbstständige dominante Frau gezeigt. Beim Duell zwischen Don José und Don Camillo geht sie mit zwei Degen dazwischen.

Alle Figuren in den Stück wurden von Frauen gespielt, mit Ausnahme des Gitarristen und Sängers Alberto Carrasco. Vielleicht die Folge eines Männermangels in solchen Theaterprojekten. Dennoch haben die beiden „Dons“ ihre Rollen sehr amüsant gespielt. Besonders, wenn sie aus der Rolle gefallen sind und beispielsweise auf Sächsisch besprochen haben, statt mit einem spanischen Akzent. In dem Stück wurde mit Humor das romantische Bild der Roma auf die Schippe genommen. So wurde der deutsche Text der „Habanera“ aus der Oper vom Chor gesungen, die die Liedzeile „Die Liebe von Zigeunern stammet“.

Besonders hervorzuheben waren die Kostüme. Angefangen vom Theaterdirektor, der ein wenig indisch-orientalisch gestylt war bis hin zu den Hauptfiguren, die alle Kostüme trugen, wie sie in Zeiten von Carmens Entstehung üblich waren. Alle Akteure brachten viel Spielwitz auf die Bühne. Ein großes Lob an die Verantwortlichen. Ein Extralob verdiente sich Carrasco, der mit seinen Flamenco-Stücken für spanisches Feeling sorgte. Nach „Alice“ ist „Circus Carmen“ eine weitere gelunge Produktion von Radojcic und Wachholz 2015. Neben Carrasco spielten Freya Erdmann, Leonie Goeke, Lina Härmstaädt, Ronahi Kahraman, Alicia Maselli und Anna Schwarz mit.

Wer es verpasst hat, am 12.09.2015 um 20 Uhr im Depot bietet sich nochmals die Gelegenheit das Stück zu sehen. Es lohnt sich.

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