Biedermann und die Brandstifter bei Fahrenheit 451

Am 16. Dezember 2017 um 19:30 Uhr beginnt die Spielzeit 2017/18 des Dortmunder Schauspielhauses nach längerer Zeit an ihrer alten Wirkungsstätte am Hiltropwall mit der Premiere von Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ (Uraufgeführt 1958)) und „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury. Beide thematisch zusammenhängende Stücke werden hintereinander gespielt. Zwei Stücke im Dunstkreis politisch motivierte Brandstiftung mit aktueller Brisanz.

Gordon Kämmerer, bekannt als Regisseur von „Kasimir und Caroline“ aus der letzten Spielzeit, inszeniert die beiden Stücke mit unterschiedlichen Perspektiven und ästhetischer Auslegung.  Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft, symbolisiert durch die Familie des Haarölfabrikanten Biedermann, ringen verzweifelt darum, in eine Welt von „Brandstiftern“ einfach nichts falsch zu machen. In ihrer Nachbarschaft werden regelmäßig Häuser angezündet. Biedermann bietet ihnen Unterschlupf auf seinem Dachboden. Als die „Gäste“ Benzinfässer auf den Dachboden bringen, wird die Lage ungemütlich. Vielleicht schützt sich am Besten, wenn man ihnen mit höchstmöglicher Gastfreundschaft begegnet? Wir werden zeugen, wie der Punkt verpasst wird, an dem sich ein fataler Ausgang (eventuell) noch hätte abwenden lassen.

Familie Biedermann feiert noch mit den Brandstiftern. (v.l.n.r.) Frauke Becker, Max Thommes, Ekkehard Freye, Björn Gabriel und Alexandra Sinelnikova. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Frauke Becker
Familie Biedermann feiert noch mit den Brandstiftern. (v.l.n.r.) Frauke Becker, Max Thommes, Ekkehard Freye, Björn Gabriel und Alexandra Sinelnikova. (Foto: © Birgit Hupfeld) Max Thommes
Ekkehard Freye
Björn Gabriel
Alexandra Sinelnikova

Der dystopische Roman „Fahrenheit 451“ (1953) von Ray Bradbury ist die Katastrophe schon passiert. Er beschreibt eine neue Zeit, in der das politische Feuerlegen in einer diktatorisch-repressiven Gesellschaft institutionalisiert ist. Ausgerechnet die Feuerwehr wird zum Brandstifter. Bücher sind als Heimat für selbständiges freies Denken ist politisch-gesellschaftlich verpönt und als vermeintliche „Störung und Gefährdung des Gemeinwohls“ verboten. Noch existierende Exemplare werden aufgespürt und vernichtet. Guy Montag ist als Feuerwehrmann gleichzeitig Täter und Opfer. Seine Frau Mildred, ein typisches Kind ihrer Zeit, sitzt den ganzen Tag vor riesigen Fernsehwänden, die sie berieseln und einen Familienersatz bieten. Eine normale Kommunikation innerhalb der Familie ist nicht mehr möglich. Durch die junge Clarisse McClellan ändert sich seine Einstellung und er beginnt, Bücher zu retten. Dann kommt ihm sein Chef Beatty auf die Schliche…

Klar wird, die entfremdete und gleich-geschaltete Gesellschaft ist nicht durch die autoritären Maßnahmen von oben – sondern langsam aus sich selbst heraus entstanden. Beide Stücke sind als zusätzliches Verbindungselement (fest) mit den SchauspielerInnen besetzt.

Die Bühnenausstattung ist minimalistisch und die verschiebbare Bühnenkonstruktion ermöglicht das Spiel auf zwei Ebenen. Einmal unten (Biedermann) und dann oben (Fahrenheit 451). Der schon aus „Kasimir und Caroline“ bekannte Schauspieler und Komponist Max Thommes wird für die Live-Musik auf der Bühne sorgen. Mit Frauke Becker (ersten Erfahrungen schon bei den Theaterpartisanen) und Alexandra Sinelnikova werden zwei neue Ensemble-Mitglieder zu sehen sein. Ein Theaterabend als assoziativer Kosmos erwartet das Publikum, so Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz. Der erhobene Zeigefinger ist nicht vorgesehen. „Die Gefahr wird vom Zuschauer generiert,“ so der Regisseur.

Die Premiere am 16.12.2017 ist bereits ausverkauft.

Informationen zu weiteren Terminen erhalten Sie unter www.theaterdo.de

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