Anders sein als Bereicherung

Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)

Am 30. September 2016 war Premiere für „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ( ab 10 Jahre) nach dem Preisgekrönten Jugendroman von Andreas Steinhöfel in der Bühnenfassung von Felicitas Loewe im Kinder-und Jugendtheater Dortmund. Regisseurin Antje Siebers und das Schauspiel-Ensemble des KJT gelang es mit Sensibilität und Humor, die von Steinhöfel liebevoll und ohne erhobenen Zeigefinger gezeichneten verschiedenen Figuren auf die Bühne zu bringen.

Einzelne Zimmer verschiedener Etagen eines Wohnhauses in Berlin-Kreuzberg wurden auf der Bühne für das Publikum offen einsehbar. So konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer auch das parallele Geschehen beobachten. Der 11-jährige Rico Doretti (Thorsten Schmidt) lebt mit seiner allein erziehenden Mutter Tanja (Bianca Lammert), einer Geschäftsführerin in einem Nachtclub in einem Haus in Berlin-Kreuzberg. Rico ist anders als die meisten Kinder. Er hat ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), kann sich schlechter konzentrieren, ist hibbelig und im Denken etwas langsamer. Dabei geht er offen auf die Menschen zu, und kommt zu besonderen Überlegungen, wenn er in seinem Lexikon nach Begriffserklärungen sucht.
Heute würde man sagen, er lebt in prekären Verhältnissen. Aber seine Mutter wird als sehr liebevoll dargestellt. Die ebenfalls im Haus wohnende Frau Dahling (Fleischverkäuferin) besucht Rico oft. Sie gucken zusammen Liebesfilme oder Krimis und essen Leberwurstbrote. Ab und zu zeigt sich aber doch, das Rico sich alleine fühlt.Bettina Zobel spielt Frau Dahling als Berliner Schnauze mit viel Herz fast wie aus einer vergangenen Zeit. Im Haus wohnt auch der Nachbar Fitzke. Er ist Rentner, oft am motzen und ein Fiesling. Wunderbar gespielt von Andreas Ksienzyk. Dann ist da noch der smarte Kommissar Simon Westbühl (Philip Pelzer). Er zieht neu als Nachbar der Dorettis ein. Welche Rolle spielt der der humorvoll-skurrile Marrak (Rainer Kleinespel), Inhaber einer Sicherheitsfirma?

Die Geschichte: Ein Kindesentführer, Mister 2000, macht die Gegend unsicher. Sein Name rührt daher, weil er von den Eltern nur 2.000 € für die Freilassung ihrer Kinder verlangt. Inzwischen lernt der „tiefbegabte“ Rico den „hochbegabten“ Oskar (Talisa Lara) kennen. Der ist übervorsichtig, und hat immer einen Helm zum Schutz vor eventuellen Unfällen auf. Wie sich die beiden unterschiedlichen Jungen nach anfänglichen Vorurteilen und Schwierigkeiten annähern, gegenseitig voneinander lernen und profitieren, wird in seiner Entwicklung behutsam dargestellt. Als auch Oskar entführt wird, ist Rico gefordert und schließlich wird auch das Geheimnis der „Tieferschatten“ gelüftet und am Ende auch die Geschichte des Todes von Ricos Vater.

Die eigens für das Stück komponierte Musik von Michael Kessler und passende Geräusche wurden atmosphärisch gut eingesetzt.

Die Aufführung des engagierten Ensembles mit viel Humor wurde vom Publikum mit viel Applaus bedacht.

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